Der Morbide Charme zieht Abenteuerlustige an. In den verfallenen Kliniken werden âHorror-Partysâ gefeiert, weil es dort angeblich spukt. Nachts seien in den HeilstĂ€tten die Schreie der ehemaligen Patienten zu hören, heiĂt es. Hobby-Fotografen ziehen ĂŒber das GelĂ€nde, auf der Suche nach dem spektakulĂ€rsten Motiv. Bei den oft halsbrecherischen Kletteraktionen kam es schon zu schweren UnfĂ€llen. Bei einer Party stĂŒrzte ein junger Mann vom brĂŒchigen Balkon der einstigen chirurgischen Klinik und starb. Die Angehörigen zeigten den EigentĂŒmer wegen Verletzung der Sicherungspflicht an – denn Beelitz-HeilstĂ€tten befindet sich seit langem in Privatbesitz. Und was mit den verfallenen GebĂ€uden in Zukunft passieren wird, ist derzeit noch völlig ungewiss.
Bevor ich die beeindruckenden Aufnahmen dieser leider schon sehr zerstörten und geplĂŒnderten HeilstĂ€tte zeige, möchte ich deren beeindruckende Vergangenheit nicht vorenthalten:
Lange befand sich hier ein riesiger Krankenhaus-Komplex. Das Areal ist inzwischen eine Ruinen-Landschaft, aber etliche GebĂ€ude stehen noch – vom Heizkraftwerk bis zur Liegekur-Halle. Sogar die alten OperationssĂ€le, einst mit modernster Technik ausgestattet, sind von auĂen zu sehen. Beelitz-HeilstĂ€tten ist das gröĂte und sicherlich eines der spannendsten DenkmĂ€ler in Brandenburg. Betrachten darf man die GebĂ€ude nur von auĂen – ein Betreten ist allein wegen der Unfallgefahr verboten, es sei denn, man bucht eine Tour bei go2know, einem Anbieter fĂŒr Foto-Touren.
Das GelĂ€nde inmitten eines groĂen Kiefernwaldes ist 200 Hektar groĂ. âJa, die Kiefern filtern die Luft regelrechtâ, so sagte man. Die lungenkranken Patienten konnten hier einst schön durchatmen. Das war wichtig fĂŒr die Genesung, denn gute Luft â âdaran hatten die Berliner wirklich Mangel – auch heute nochâ.
âDie Motten habenâ, das wurde frĂŒher im Volksmund ĂŒber jene gesagt, die an Tuberkolose erkrankt waren, einer ansteckenden und nicht selten tödlichen Krankheit. Wir – Bernhard und ich – befinden uns auf dem GelĂ€nde der Beelitz-HeilstĂ€tten, wo sich vor 100 Jahren eine der gröĂten Lungen-Heilanstalten Deutschlands, ja vielleicht sogar der Welt befand.
WĂ€hrend des Ersten und Zweiten Weltkriegs wurde das Areal jeweils zum Lazarett umfunktioniert. Viele Tausend verwundete Soldaten wurden hier behandelt, Ende 1916 auch der Gefreite Adolf Hitler. An der Westfront war Hitler von einem Granatsplitter getroffen worden. Mehrere Wochen kurierte er sich in Beelitz aus.
Nach Kriegsende 1945 ĂŒbernahm die Rote Armee das GelĂ€nde. Mehrere Jahrzehnte beherbergte Beelitz das gröĂte MilitĂ€rhospital der Sowjets auĂerhalb der UdSSR. Die letzten Prominenten, die sich in Beelitz aufhielten, waren im April 1990 der gestĂŒrzte DDR-Staatschef Erich Honecker und seine Frau. Das Paar lebte in einer der Arztvillen, bewacht von Soldaten der Roten Armee. In Beelitz fanden die Honeckers fĂŒr fast ein Jahr Zuflucht, bevor sie im MĂ€rz 1991 nach Moskau ausgeflogen wurden.
Nach dem Abzug der Sowjets 1994 begann der dramatische Verfall der ehemaligen HeilstĂ€tten. Aus den GebĂ€uden sei âalles geklaut worden, was nicht niet- und nagelfest istâ, sagt Krause. Sogar die KupferdĂ€cher wurden in schwindelerregender Höhe abmontiert, um den Rohstoff zu Geld zu machen. Durch die Löcher regnet es nun rein, was den Verfall der HeilstĂ€tten enorm beschleunigt.
Hier nun einige Impressionen vom Hauptlaboratorium mit Hörsaal (GebÀude 2 im Areal A-B2, siehe Karten oben)
Im nĂ€chten Artikel besuchen wir weiter GebĂ€ude dieses „Verlassenen Ortes“!


















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